Low-Cost-Häuser so teuer wie Wohnimmobilien!

In der Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen hatte die Gemeindevertretung beschlossen, dreizehn so genannte Low-Cost-Häuser zu erwerben. Zehn davon sollen als Wohnungen dienen, die anderen drei sind als Wirtschaftsgebäude geplant. Nachdem nun seitens des Gemeindevorstands die Aufträge zu deren Errichtung vergeben wurden, wird offensichtlich, dass von „Low-Cost“ keine Rede sein kann. Die Kosten für Anschaffung, Aufbau, Erd- und Erschließungsarbeiten, Elektro- und Sanitärinstallation belaufen sich inzwischen auf 480.000 Euro, Dies ergibt einen Preis von 1.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Damit sind die Kosten vergleichbar mit denen beim Erwerb einer Immobilie, aber bei einer deutlich geringeren Nutzungsdauer.

„Wir haben von Anfang an die Low-Cost-Häuser abgelehnt und nur dem Kauf von 13 dieser Wegwerfhäuschen als letzten Notnagel zugestimmt, auch weil sie zu teuer sind und nach wenigen Jahren kostenintensiv entsorgt werden müssen. Allein schon anhand dieser Zahlen ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum die Gründauer CDU sogar dem Kauf von anfangs diskutierten 30 Low-Cost-Häusern ohne Zögern zustimmen wollte und so die Rücklagen der Gemeinde einer schnellen, aber wenig nachhaltigen Lösung geopfert hätten“, wundert sich Franz Porstner (SPD), Ortsvorsteher in Rothenbergen. Die Christdemokraten hätten damit bewusst in Kauf genommen, in Rothenbergen ein Flüchtlingscamp für bis zu 200 Flüchtlinge zu errrichten und so einen sozialen Brennpunkt zum Schaden der Flüchtlinge und der Anwohner zu schaffen. „Wie das mit der CDU-Behauptung einher geht, man sei ‚von Anbeginn für eine dezentrale Unterbringung‘, erschließt sich mir nicht“, so Porstner weiter.

Auch die kürzlich in der Presse kommunizierte Aussage, dass eine Entspannung der Lage einem CDU-Antrag geschuldet sei, der es der Gemeinde erlaubt, höhere Mitpreisangebote als die marktüblichen machen, ist Augenwischerei. „Nur auf den Mietwohnungsmarkt zu setzen und zu glauben, allein mit höheren Mietpreisangeboten das Unterbringungsproblem lösen zu können, ist fernab jeglicher Realität“, erwidert der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Jürgen Schubert. Nach seiner Meinung ist das nur ein Ablenkungsmanöver, um die Orientierungslosigkeit der Christdemokraten zu verschleiern und den widersprüchlichen Aussagen in der Frage der Flüchtlingsunterbringung ein vorzeigbares Deckmäntelchen zu verpassen.

Die SPD-Fraktion hält es nach wie vor für richtig, neben der weiterhin intensiven Suche nach Mietwohnungen auch nach geeigneten, zum Verkauf stehenden Immobilien Ausschau zu halten, um den Flüchtlingen eine Bleibe bieten zu können. „Hätte sich die CDU mit ihrer Ablehnung des Kaufs der beiden Wohnhäuser in Mittel-Gründau und Rothenbergen durchgesetzt – übrigens ein Vorschlag aus dem Rathaus, den die CDU durchkreuzen wollte -, würden heute schon die Unterbringungsmöglichkeiten nicht mehr ausreichen und es müssten Sporthallen als Notunterkünfte herangezogen werden. Und nicht weil wir eine überstürzte Entscheidungsvorlage des Bürgermeisters abgelehnt haben, wie das die Union gerne darstellen möchte“, betont Schubert.