Langfristiges Konzept statt Hauruck-Aktion gefordert

In der SPD-Fraktion entsteht der Eindruck, dass die Verwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze gerade bei der Kinderbetreuung nur von Jetzt auf Gleich plant. Ein langfristiges Konzept, eine klare Definition des Zieles, wieviel Plätze wir in Gründau benötigt werden, eine Diskussion von Alternativen findet nicht statt.

„Dies halten wir aber für wichtig, bevor wir für eine kurzfristige Maßnahme Geld bewilligen, die sich unter Umständen schon wenig später als Fehlplanung erweist. Die SPD hat sich in den vergangenen Jahren intensiv für einen Ausbau der Betreuung von Kindern, speziell unter drei Jahren, eingesetzt. Es ist auch weiterhin unser Ziel, möglichst vielen Kindern Betreuungsplätze kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Hauruckaktionen unter Zeitdruck sind aber nicht das Mittel der Wahl“, kritisiert Vorsitzende des Sozialausschusses, Angela Holzderber (SPD).

Diese plötzliche Hauruckaktion des Bürgermeisters hält die SPD für zu kurz gesprungen – wirft sie doch viele Fragen auf. Z. B. wurde erst im August 2013 Jahr für 600.000 Euro die Kita Sonnenschein in Rothenbergen erweitert, u. a. um zwei Gruppen für Kinder unter drei Jahren. Damit stand laut Gemeinde¬verwaltung für 77 Prozent aller Kinder im Alter von ein und zwei Jahren ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Damit hatte die Gemeinde eine höhere Kapazität als viele andere Kommunen erreicht und lag deutlich über der Vorgabe seitens des Bundes von 35 Prozent. Die SPD-Fraktion ist daher sehr verwundert, dass jetzt – nur ein Jahr später – laut Bürgermeister Helfrich schon wieder kurzfristig nachgebessert werden müsse.

Weiter fragt sich die SPD, wie Helfrich die aktuelle U3-Warteliste mit 25 Kindern durch die Schaffung von zehn neuen Betreuungsplätzen befriedigen will. „Es ist doch offensichtlich, dass dann spätestens im kommenden Jahr wieder korrigiert werden muss – eine weiter steigende Nachfrage nach Betreuung noch gar nicht eingerechnet“, erklärt Holzderber.

Auch bei den Kindergartenplätzen ist zu beobachten, dass die vorhandene Platzkapazität nur zu 75 Prozent genutzt wird. 600 möglichen Plätzen stehen nur ca. 440 angemeldete Kinder gegenüber. Laut der Prognose aus dem Rathaus werden es im nächsten Kindergartenjahr noch weniger sein. „Der Bürgermeister soll uns erklären, warum er bei sinkender Kinderzahl die Kapazitäten unserer Kindergärten ausbauen will“, verlangt Holzderber. 220 Kinder sind ganztags angemeldet. Mit ca. 500 Plätzen in Kindergärten mit Ganztagesbetreuung stehen mehr als ausreichend Plätze zur Verfügung – sollte man meinen.

Es sei auch nicht nachzuvollziehen, warum der Bürgermeister Maßnahmen, die schon länger im Rathaus bekannt sind, als „unvorhersehbar“ deklariert. Eltern und Kita-Leiterinnen haben ihn nachweislich schon vor Monaten auf die aus ihrer Sicht notwendigen baulichen Anpassungen hingewiesen. Warum legt er dies erst kurz vor den Sommerferien der Gemeindevertretung vor, wenn die Umsetzung schon zu Beginn des nächsten Kindergartenjahr erfolgt sein soll? „Durch die kurzfristige Vorlage sollen Entscheidungszwänge geschaffen und eine eingehende Diskussion der Thematik verhindert werden“, so Holzderber weiter.

Die SPD kritisiert auch, dass alternative Betreuungskonzepte bisher nicht diskutiert wurden. Andere Gemeinden machen z.B. sehr gute Erfahrung mit gemischten Gruppen von ein bis sechs Jahren. Bei diesem Modell können die Kleinsten die Kita besuchen, in der sie bis zu ihrer Einschulung bleiben möchten und müssen nicht mit drei Jahren in eine Kita in einem anderen Ortsteil wechseln. Ein weiterer Kritikpunkt seitens der SPD-Fraktion ist, dass im Konzept der Verwaltung völlig unberücksichtigt bleibt, dass durch immer mehr gemeindliche U3-Betreuungsplätze die Konkurrenz zu Lasten der privat arbeitenden Tagespflegeeltern verschärft wird.