Gründau wird familienfreundlichste Gemeinde

„Selten gab es in Gründau ein von einer Fraktion initiiertes Projekt, das eine so solide Gegenfinanzierung hatte, wie die mit SPD-Mehrheit beschlossene Abschaffung der Gebühren für die Betreuung der Kinder ab einem Jahr bis zum Schuleintritt“, davon ist der SPD-Fraktions-vorsitzende, Dr. Jürgen Schubert, fest überzeugt.

 Kinder in der so genannten U3-Betreuung, im Kindergarten oder in der privaten Tagespflege können diese Leistungen ab August 2014 kostenlos in Anspruch nehmen. „Ein Erfolg für viele berufstätige Eltern und Alleinerziehende und ein wichtiger Schritt zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den wir konsequent gegangen sind“, so Schubert.

 „Wir gehen davon aus, dass unser Beschluss, die Ganztagebetreuung kostenfrei anzubieten, zu einem jährlichen Mehraufwand von 350.000 Euro führen wird, den wir durch die Anhebung der Gewerbesteuer gegenfinanzieren“, erklärt der Fraktionsvorsitzende. Die Gewerbesteuer wird dafür um 20 Prozentpunkte angehoben. Damit erhält die Gemeinde laut Angaben der Gemeindeverwaltung vom Frühjahr 2013 im ersten Jahr schon Mehreinnahmen von 200.000 Euro, im vierten Jahr nach Anhebung sogar mehr als 400.000 Euro im Jahr. Im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis ist dies dann immer noch einer der niedrigsten Gewerbesteuersätze. Diese Anhebung bedeutet, dass ein Unternehmen pro 1.000 Euro Gewinn zukünftig 7 Euro mehr im Jahr an die Gemeindekasse abführen muss. „Das ist keine unzumutbare Belastung“, meint der Fraktionschef. Außerdem erhält die Gemeinde zukünftig höhere Schlüsselzuweisungen des Landes, da diese umso höher ausfallen, je weniger der gemeindliche Steuersatz vom kreisweiten Mittelwert abweicht. Dieser liegt derzeit bei 347 Prozentpunkten.

 Die Gemeinde Gründau wendet für die Kinderbetreuung jedes Jahr ca. 3 Mio. Euro auf. Die Gebühren bei den gemeindeeigenen Einrichtungen, die die Eltern zahlen, liegen gerade mal bei etwa 100.000 Euro. Mit dem Beschluss fallen aber nicht nur die bisherigen Gebühren in den gemeindlichen Einrichtungen weg, sondern auch die Gebühren, die die Eltern an die privaten Betreuungsanbietern und an den Tagespflegemüttern entrichten. Das ist eine Konsequenz aus dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, der zu vergleichbaren Bedingungen angeboten werden muss.

 Die Gemeinde hatte sich schon vor längerer Zeit verpflichtet, einen Teil der Gebühren der privaten Anbieter wie Kleiner Anton und Kuckucksnest zu übernehmen, um eine Konkurrenzsituation zu vermeiden. So verlangt der Kleine Anton monatlich 350 Euro pro Platz, die Gemeinde dagegen nur 99 Euro. Die Differenz, also 251 Euro, bezahlt heute schon die Gemeinde. „Durch die jetzt beschlossene Gebührenfreiheit werden also im Vergleich zur derzeitigen Situation nur noch die verbleibenden 99 Euro zusätzlich durch die Gemeinde geschultert. Bei 51 Plätzen der privaten Anbieter summiert sich das auf ca. 60.000 Euro pro Jahr und nicht auf 200.000 Euro, wie das Bürgermeister Helfrich darstellt“, stellt Schubert klar.

 Auch Eltern, die sich für die Betreuung ihres Kindes bei einer Tagespflegemutter entscheiden, kommen in den Genuss der gebührenfreien Betreuung. Sie zahlten bisher 1,50 Euro pro Betreuungsstunde. Bei einer achtstündigen Betreuung sind dies im Monat ca. 250 Euro.

 „Auch langfristig sehen wir Mehreinnahmen für die Gemeinde durch die Gebührenfreiheit. Gewerbetreibende werden Gründau auch deswegen als attraktiven Standort auswählen und junge Familien werden Gründau als eine der familienfreundlichsten Kommunen im Kreis wahrnehmen und sich bei uns ansiedeln. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten!“, meint Schubert abschließend.